Interview

Warum beschäftigt sich ein Maler und Grafiker, wie Willi Mayerhofer, mit einer Kunst, die er die-zeit-art nennt?

Die-zeit-art hat nichts zu tun mit der Uhrzeit, mit der Tageszeit oder mit den Gezeiten. Die Bezeichnung dieser Kunstform kommt von der Wochenzeitung DIE ZEIT. Ich kann da nicht nur malerisch, sondern auch grafisch arbeiten. Ich sehe es als Erweiterung meiner Bilder des abstrakten Expressionismus, die mehr im Rythmus der Harmonie stehen und mit denen ich sehr große Formate realisieren kann. Mit der zeit-art arbeite ich kleinflächiger, individueller und intimer. Ich beschäftige mich mit Texten, Fotos und Themen. Das ist es, was mich dabei reizt.

Die Zeit. Ob gestern, heute oder morgen, man kann sie nicht festhalten, oder doch? Vielleicht durch die-zeit-art?

Zeit vergeht – meine zeit-art bleibt bestehen. Die Zeit von gestern, heute, morgen ist nächste Woche schon von vorgestern. Ich kann durch meine zeit-art die Zeit somit festhalten – Wer kann das schon?
So kann ich Ansichten und Leidenschaften markieren, Geschichte und Geschichten erzählen, Aufmerksamkeit erregen und neue Aspekte erkennen lassen.

Was denkt oder inspiriert einen Künstler wie Willi Mayerhofer, die Zeit in zeit-art künstlerich festzuhalten?

Den Lauf der Zeit künstlerisch festzuhalten, ist nicht einfach. Ich für meinen Teil habe jedoch eine Möglichkeit gefunden, Zeit festzuhalten, in Farbe zu gießen, den Moment einzuschweißen, aus der Vergänglichkeit herauszutrennen und ihn für die Nachwelt sichtbar zu machen: die-zeit-art!
Seit meinem 18. Lebensjahr lese ich regelmäßig DIE ZEIT. Die aktuellen Ausgaben liegen auch immer in meinem Atelier. Irgendwann fängt man an, darauf zu malen. Man entdeckt den Mengentext als Malgrund mit eigenwilliger s/w-Struktur, fast wie grobe Leinwand.
Auch das teilweise Übermalen von Fotos, Überschriften und Illustrationen hat für mich einen eigentümlichen Reiz. Sehr angetan haben es mir die Titelseiten und die Feuilletonseiten. Diese habe ich oft in meine Werke als Collagen eingebunden, habe sie bemalt, übersprüht, zerfetzt, verbrannt...etc...wie man sieht.
Im Laufe der Jahre wurde daraus ein Zyklus, eine Serie. Und das Schöne daran, es kommt jeden Donnerstag eine neue Ausgabe der Wochenzeitung DIE ZEIT. Es gibt also immer neuen Lesestoff bzw. Malstoff und neue Motive die man festhalten kann.

Da wir viele Zeitfenster haben, welches Zeitfenster steht bei Willi Mayerhofer im Fokus?

Mein Zeitfenster?
Also Zeit absitzen, das möchte und kann ich nie.
Arbeiten mit DIE ZEIT gerne, ja.
Arbeiten um Zeit tot zu schlagen, eher nein.
Arbeiten gegen die Zeit wäre sinnlos.
Ich sitze gerne auf einem Stapel DIE ZEIT
Ich gestalte, modelliere und bearbeite DIE ZEIT zur zeit-art.
Fazit: Mein Zeitfenster ist das kreative Zeitfenster und steht für mich im absoluten Fokus.

Der Künstler Willi Mayerhofer empfindet die zeit-art nicht nur printmäßig, sondern auch plakativ und auch plastisch. Was will er damit ausdrücken?

Was ich mit meiner zeit-art ausdrücken will, kann ich nicht so einfach beantworten.
Seiten der Wochenzeitung DIE ZEIT, die ich in meinen Werken verwende, werden von mir oft verfremdet, oft bis zur Unkenntlichkeit, oft nur soweit, dass man das Thema noch erkennt. Ich will damit einfach eine andere Sichtweise anbieten, auch Farben emotional einsetzen. Durch großflächiges Übermalen ganzer Seiten gebe ich neue Räume frei.
Eine teilweise verbrannte oder angebrannte Zeitungsseite entwickelt so auf ihre Art einen eigenen Ausdruck.
Manche Motive können beim Betrachter meines Bildes den Blick auf das Thema verschärfen, ihn in den Bann ziehen oder ihn auch verunsichern.

In welchem Zusammenhang steht die Zeit mit zeit-art in der Skulptur?

Zeit oder Zeiten skulptural darzustellen, geht eigentlich nicht oder nur sehr schwer. Doch mit dem Medium DIE ZEIT habe ich Möglichkeiten gefunden, dreidimensional zu arbeiten. Man kann die Seiten zerknüllen, rollen oder durch Zerreißen eine neue Gestalt geben.
Zeitungspapier läßt sich wunderbar formen und zu interessanten Objekten gestalten. Auch hier erstarrt eine Zeitungsseite mit all ihren Informationen von einem gewissen Tagesdatum zu einer zeitlosen Skulptur.

Welche Gedanken bestehen bei dem Künstler zur Zeit, die bleibt, und zur Zeit, die vergeht, umgesetzt in zeit-art zum Verstehen?

Zeit, die bleibt:
Zeit ist immer relativ. Mein Gedanke ist: Meine zeit-art bleibt für die Nachwelt: für meinen Sohn, für meine Enkelkinder, für meine Kunstliebhaber oder für meine Sammler und meine Freunde – immer vorausgesetzt, sie mögen es.

Zeit, die vergeht:
Jede Zeit vergeht – auch meine zeit-art – da mache ich mir nichts vor. Ich kann die Bilder, die-zeit-art übermalen, verkaufen, verschenken, entsorgen, verbrennen... was immer ich will.
Dann vergeht auch meine Zeit bzw. die-zeit-art.

Das Interview führte Elke Dagmar Schneider, Chefredakteurin vom Kabinett-Verlag, Bonn-Berlin

.

Vita Willi Mayerhofer

Geboren 1951 in Kösching. (Deutschland) Nach dem Studium von Grafik und Malerei in München gründete er 1976 eine Werbeagentur in Ingolstadt. 1993 bezog er ein Atelier in Les Issambres (Südfrankreich). Seit 2001 arbeitet er als freier Maler. Der Künstler wurde international bekannt durch Ausstellungen in Frankfurt, München, Wien, Mailand, Monaco, Nizza, Mallorca und Barcelona.

Est né à Kösching en 1951. (Allemagne) Après avoir suivi des études de graphisme et de peinture à Munich, il fonde en 1976 une agence de publicité à Ingolstadt. En 1993 il s´installe dans le Var et se consacre entièrement à la peinture dans son atelier des Issambres sur la Côte d´Azur. Depuis 2001, il travaille en qualité de peintre indépendant. L´artiste se fait connaître par des présentations internationales à Francfort, Munich, Vienne, Milan, Monaco, Nice, Majorque et Barcelone.

Was born in Kösching in 1951. (Germany) After studying graphic arts and painting in Munich, he settled in Ingolstadt as a graphic artist in 1976. In 1993, he came to Les Issambres (French Riviera) where he set up his second studio. Since 2001, he has dedicated himself to painting only. This artist has become wellknown through international exhibitions in Frankfurt, Munich, Vienna, Milano, Monaco, Nice, Mallorca and Barcelona.

Nacido en 1951 en Kösching (Alemania). Después de sus estudios de pintura y artes gráficas en Munich él fundaba en Ingolstadt en 1976 una agencia de publicidad . En 1993 se muda a su Estudio en Les Issambres (Côte d´Azur, Francia). Desde 2001 trabaja como Pintor autónomo entre Alemania y Francia. Se hizo conocido a nivel internacional por exposiciones en Berlin, Fráncfort, Munich, Viena, Milán, Mónaco, Niza, Mallorca (Palma, Santa Ponca, Puerto d´Andratx) y Barcelona.

Awards

2013 Grande Medaille d´Or, Grand Prix International des Beaux Arts
2013 Medaille de Bronze, Beaux Arts Maures Esterel
2013 Nomination Palm Art Award, Germany
2013 Troisieme Prix, Salon du Grand Format, Soroptimist International, Villa Aurélienne Frejus
2011 Médaille de Bronze, Espace Culturel Paul Vernet, Frejus
2010 Grande Médaille d´Or, Salon d´Automne, Ville de Frejus
2010 Prix du Conseil Général Var, Société des Beaux-Arts, Var
2006 Prix d´Honneur, Grand Prix International des Beaux Arts
2006 Diplôme painture, Côté Arts-Magazine des Art, Marseille
2006 Medaille de Bronze, Grand Prix de la Ville de Frejus

Member of

2015 IAPMA International Paper Artists
2014 Saatchi Art, London (UK)
2009 CALSI Künstlergruppe, Wien (A)
2005 provocART, Zürich (CH)
2004 Societé des Beaux-Arts Maures Esterél, Saint Raphael (F)